Die Praxis: Wie JassWiki zur LLM-Instanz wurde
Keine Theorie. Kein Voodoo. Ein funktionierendes Projekt, das zeigt, wie GEO in der Praxis funktioniert.
Im ersten Artikel habe ich die Bienenmetapher etabliert und argumentiert, dass es nicht reicht, auf seiner Website einfach mehr strukturierte Daten zu laden.
Es geht darum, die Entität einer Marke im semantischen Web möglichst gezielt zu verankern durch Verknüpfungen und somit die "Ground Truth" zu etablieren.
Was mögen LLMs? Wie determinieren sie "Wahrheit"?
1. Öffentlich kuratierte Wissensplattformen
LLMs mögen Plattformen, die schwer manipulierbar sind. Allen voran Wikipedia und Wikidata – die weltweit grösste Datenbank mit exakter Taxonomie.
2. Sekundärquellen & Backlinks
Wie schon bei SEO hilft es enorm, wenn Sie in möglichst renommierten Medientiteln erwähnt werden. Backlinks von vertrauenswürdigen Domains signalisieren Autorität.
3. User Generated Content
LLMs mögen Social-Media-Kanäle mit echtem UGC. Dazu zählen YouTube, Quora, Pinterest und allen voran Reddit.
Der Use Case: JassWiki.ch
Als passionierter Jasser und Präsident des Jassverband Schweiz war es mir ein Dorn im Auge, dass die Schweizer Jassregeln entweder nur in Buchform zu erhalten sind oder verstreut auf hunderten von Blogbeiträgen.
Das Dilemma: Einem Buch zu blättern, nur um eine Regel nachzulesen, ist unpraktisch. Ebenso unpraktisch sind Blogbeiträge, die einzig einem SEO-Zweck dienen.
Was Google als "Rich Content" wertvoll erachtet, ist für eine Frage wie "Was ist die Ausmachregel beim Jassen?" lästiger Balast. Die Regel kann in drei Sätzen erklärt werden, aber Google straft "Thin Content" ab.
Also habe ich das gesamte Jasswissen unter JassWiki.ch gesammelt. Das Projekt setzt sich aus ca. 257 kurzen Artikeln zusammen.
Das überraschende Ergebnis
Mir war klar, dass JassWiki.ch im Google-Universum mangels Backlinks, "Thin Content" und schlicht mangelnder Autorität untergehen wird. Man konkurrenziert mit Riesen wie Swisslos, Blick, Watson oder Spezialisten, die seit Jahrzehnten Jassen und Jassbegriffe optimiert haben.
Bei Google (Keyword-Suche)
JassWiki führt einen hoffnungslosen Kampf gegen Swisslos, Blick & Co. Keine Backlinks, keine Autorität, keine Chance.
Bei LLMs (Intent-Suche)
JassWiki ist innert Wochen zur zitierten Instanz für Regelfragen, Varianten und Taktiken aufgestiegen. Microsoft Copilot und Perplexity zitieren uns.
So haben wir es gemacht
1. Struktur der Website
- Eigene URL pro Regel: Jede Regel, Variante, Taktik hat nach bester SEO-Manier eine eigene URL. Aber "Thin Content" ist bei LLMs ein Vorteil – die kurze, exakte Beschreibung ist perfekt.
- FAQ-Blöcke: Bei jedem wichtigen Artikel 3-5 "häufig gestellte Fragen" platziert. Das macht die Artikel in Googles Augen nicht mehr zu dünn und greift direkt die Fragen ab, die ein Nutzer seinem LLM stellen würde.
- Token-Effizienz: Jeder Artikel ist perfekt maschinenlesbar aufgebaut. Eine Seite von JassWiki herbeizuziehen kostet einen Agenten fast nichts. Es entsteht keine Reibung.
2. Die Wikidata-Landnahme
LLMs mögen Referenzen auf Wikipedia und Wikidata als unabhängige Quelle. Also habe ich mir wikidata.org vorgenommen und eine Taxonomie des Jassens verfasst – gemäss den geltenden Regeln von Wikidata.
Q... → Schieber
Q... → Differenzler
Q... → Coiffeur
Q... → Obenabe / Undenufe
Die meisten Jassbegriffe waren schlicht noch nicht vorhanden unter einer eindeutigen ID auf Wikidata. Ich konnte eine eigentliche "Landnahme" machen.
Und jedesmal ist die Quelle der Artikel auf jasswiki.ch. Mit dieser Leistung wurde JassWiki dann als Referenz auf Wikipedia akzeptiert.
Das Fazit
Allein durch diese "Landnahme" im Wikipedia-Universum und den daraus entstehenden Backlinks aus einer hoch vertrauenswürdigen Quelle – kombiniert mit strukturierten Daten auf der Website selber und deren Verknüpfung zu den Quellen – wurde JassWiki innert Wochen zitierfähig bei Fragen rund ums Jassen.
Während bei reiner Keyword-Suche JassWiki einen hoffnungslosen Kampf führt gegen die Grossen, ist es bei "Intent-basierter" Suche zur zitierten Instanz aufgestiegen.